Ayurveda

»Ayurveda ist ewig, ohne Anfang und ohne Ende,
denn die Gesetze des Lebens sind von universeller Natur und ihre Eigenschaften zeitlos«
Charaka Samhita, Sutr. 30.27

Ayurveda

Der Begriff »Ayurveda« stammt aus dem Sanskrit, der altindischen Sprache der Gelehrten; »ayus« bedeutet Leben und »veda« Wissen. Die mindestens 5000 Jahre alte Lehre ist eine ganzheitliche Naturheilkunde, die auch als »Mutter der Medizin« bezeichnet wird. Ayurveda umfasst Gesundheitsvorsorge, die Erkennung und Heilung von Krankheiten, die richtige Reinigung des Organismus sowie eine ausgeglichene Ernährung. Im Zentrum der Behandlung steht immer das Individuum – mit all seinen Eigenheiten, Schwächen und Stärken.

Die fünf ayurvedischen Elemente sind

Aus diesen Elementen ist die gesamte Schöpfung hervorgegangen, sie sind die Bausteine der Natur und des Menschen. Wer seine Grundkonstitution kennt, kann mit ayurvedischer Heilkunst das harmonische Gleichgewicht der Elemente herstellen und bis ins hohe Alter gesund und jugendlich bleiben.

« zurück nach oben

Die drei Doshas

Die ayurvedische Lehre unterscheidet drei Grundenergien, die Doshas. Die Doshas steuern unsere körperlichen und psychischen Anlagen. Sie wirken in der Natur und somit auch in allen Nahrungsmitteln. Ayurvedische Ernährung kann man sich also als fein abgestimmten Energieausgleich vorstellen.

Je zwei Elemente bilden ein Dosha:

• Vata aus Äther und Luft
• Pitta aus Feuer und Wasser (gering)
• Kapha aus Wasser und Erde

Die wichtigsten Merkmale der drei Doshas

Vata entsteht aus der Vereinigung von Luft und Äther; verkörpert das Luftprinzip und steuert die Bewegung, sowohl körperlich als auch geistig. Vata-Typen sind von zarter, feingliedriger Natur. Sie sprechen viel und schnell, lieben Musik, Tanz und geistreiche Gespräche. Spontan, aktiv und schnell, reisen sie gerne und ziehen oft um; sie sind aber auch häufig launisch und nervös. Typische Beschwerden sind Schlaflosigkeit, Frösteln, Muskelverspannung, Migräne, Blähungen und Verstopfung.

Empfehlungen für den Luft-Menschen:
Warme Getränke, Speisen und Kleidung, keine schwer verdaulichen Speisen. Gut sind saftige Gemüsegerichte, viel Schlaf, ein regelmäßiger Tagesablauf. Kalte und windige Orte vermeiden, Meditation und Yoga, gegen 22 Uhr ins Bett gehen.

Pitta verkörpert das Feuerprinzip und lenkt den Stoffwechsel und andere Umwandlungsprozesse im Körper. Pitta-Typen sind meist von mittlerer Statur mit guter Muskulatur und neigen zu einem rötlichen Gesicht, Sommersprossen und Leberflecken. Sie lieben das Leben, sind waghalsig und temperamentvoll. Geborene Manager. Sie haben immer warme Hände. Geduld ist nicht ihre Stärke, wenn sie nichts zu essen bekommen, können sie sehr unangenehm werden. Pitta-Menschen leiden häufig unter Sodbrennen, Durchfall, Übersäuerung, Gastritis und Hautkrankheiten.

Empfehlungen für den Feuer-Menschen:
Heiße, saure und scharfe Speisen vermeiden, grünes Gemüse bevorzugen, auf Anregungsmittel wie Alkohol, Kaffee, Schwarztee und Zigaretten eher verzichten, kühle Plätze aufsuchen. Meditation und Teamsportarten sind angeraten. Vor 23 Uhr ins Bett gehen.

Kapha entsteht aus der Vereinigung von Wasser und Erde; verkörpert das Erdprinzip und reguliert den Aufbau und die Stabilität des Körpers. Kapha-Typen sind oft stämmige, gut entwickelte Persönlichkeiten mit kräftigen Haaren und weichen Gesichtszügen. Sie verfügen über ein gutes Immunsystem. Ausdauer, Gelassenheit und Treue zählen ebenso zu ihren Eigenschaften wie Trägheit und eine Vorliebe für gutes Essen. Sie sind großzügige, hilfsbereite, loyale und geduldige Menschen. Familie wird bei ihnen groß geschrieben. Außer der Neigung zu Übergewicht, treten häufig Schleimansammlungen in Bronchien und Nebenhöhlen auf.

Empfehlungen für den Erden-Menschen:
Leichte, scharfe, bittere, trockene und warme Kost, auf Eiweiß immer wieder verzichten, regelmäßig Bewegung und Kraftsport, nicht zu lange schlafen, warmes Wasser schluckweise über den Tag verteilt trinken, nach 20 Uhr nichts mehr essen.

• Zu den insgesamt sieben Konstitutionstypen gehören auch die Misch-Typen: Nur selten ist ein Mensch eindeutig von nur einem Dosha beherrscht. Man unterscheidet neben Vata, Pitta, Kapha, auch Vata-Pitta, Vata-Kapha, Pitta-Kapha, Vata-Pitta-Kapha.

« zurück nach oben

Agni – das innere Feuer

Das Verdauungsfeuer ist verantwortlich für unsere Verdauungs- und Stoffwechseltätigkeit. Ist das Agni gestört, kann das eine Ursache für Blähungen, Völlegefühl, Müdigkeit nach dem Essen, Heißhunger oder Sodbrennen sein. Aber auch geistige Schwere, schlechte Haut oder Immunschwäche sind oft die Folgen eines schwachen oder gestörten Verdauungsfeuers. Ayurveda bringt durch eine auf die persönliche Konstitution abgestimmte Ernährung das Agni wieder ins Gleichgewicht.

So kann zum Beispiel ein Kapha-Stoffwechsel angefeuert werden:
Warme, bittere, anregende und leicht scharfe Speisen bevorzugen, Süßes und Milchprodukte vermeiden. Viel Gemüse mit herben und bitteren Gewürzen und Kräutern essen. Alles gut einspeicheln und gut kauen, eine halbe Stunde vor dem Essen nichts trinken. Kalte und kohlensäurehaltige Getränke vermeiden. Als Frühstück: ein Glas warmes Ingwer-Pfeffer Wasser trinken. Kleine Portionen (zwei Handflächen voll) verspeisen, erst essen, wenn Hungergefühl vorhanden ist, keine Zwischenmahlzeiten. Gewürze wie Chili, Pfeffer, Ingwer, Bockshornklee, Senfsamen und Kurkuma zum Kochen verwenden.

Das Agni anregende Gewürze sind:
Frischer Ingwer, schwarzer Pfeffer, Asa Foetida, Kreuzkümmel, Senfsamen und Chili (Chili ist eine gute Alternative zu Schokolade bei Liebeskummer!)

« zurück nach oben

Die 6 Geschmackrichtungen (Rasa) und ihre Wirkung

Eine wichtige Rolle bei der Ernährung spielt der Genuss mit allen Sinnen. Bereits beim Einkaufen sehen und berühren wir die Lebensmittel, bevor wir sie riechen und schmecken. Im Ayurveda werden sechs Geschmacksrichtungen unterschieden, die wiederum den Elementen zugeteilt sind.

madhura Rasa – süß: zum Aufbauen und Nähren (Wasser/Erde)
Süßes schmeckt und besänftigt, regt die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) an. Dazu gehören fast alle kohlehydrathaltigen Lebensmittel wie Kartoffeln und Getreide, süße Früchte, aber auch Nüsse, Ghee, Milch, Quark, Hüttenkäse und Frischkäse.
Wirkung: erhöhen Kapha (außer Honig und Gerste, die Kapha sogar reduzieren)

amla Rasa – sauer: zur Anregung des Appetits (Erde/Feuer)
Saures macht den Mund wässrig, wirkt verdauungsfördernd, stärkt die Magendrüsen, stellt zufrieden; zuviel führt zu Verschleimung, Übersäuerung und Orangenhaut. Dazu gehören z.B. Zitronen, Ananas, Preiselbeeren, Essig, Tomaten, Sauerkraut, Joghurt, Sauermilch, Weißwein und saurer Rotwein.
Wirkung: erhöht Pitta und Kapha (Ausnahme: Amalaki und Granatapfel)

lavana Rasa – salzig: nur in kleinen Mengen (Feuer/Wasser)
Salziges macht durstig, ist gut für die Nerven, wirkt appetitanregend und verdauungsfördernd, bindet Wasser. Zuviel Salz führt zu Bluthochdruck. Neben allen Salzarten gehören Meeresfrüchte und Algen in diese Gruppe. Fertiggerichte, Konserven-Gerichte und Chips beinhalten auch Salz!
Wirkung: erhöht Pitta und Kapha. (Ausnahme: Steinsalz, bindet kein Wasser im Gewebe)

katu Rasa – scharf: zur Anregung des Stoffwechsels (Feuer/Luft)
Scharfes wirkt erhitzend, aktivierend, reinigt Srotas, reizt die Schleimhäute. Dazu gehören vor allem Gewürze wie Chili, Pfeffer, Ingwer, Meerrettich und Senf. Honig schmeckt süß und wird scharf verdaut, beste Süßmittel für Kapha.
Wirkung: erhöht Vata und Pitta (Ausnahme: langer Pfeffer, Knoblauch und Ingwer)

tikta Rasa – bitter: für eine optimale Verdauung und Reinigung (Luft/Äther)
Bitter wirkt anregend auf Leber und Galle, blutreinigend, belebend, verringert den Speichelfluss und damit den Appetit. Dazu zählen viele Heilpflanzen wie Löwenzahn, Kamille, Kurkuma, Methi und grüner Tee, Salatsorten wie Chicorée, Radicchio und Endivien, aber auch Artischocken, Sellerie und reiner Kakao.
Wirkung: erhöht Vata

kashaya Rasa – herb: zur Verhinderung von Wassereinlagerungen (Luft/Erde)
Herbes wirkt zusammenziehend, wundheilend und blutstillend, schleimhautberuhigend und austrocknend. Herbe Lebensmittel sind z.B. unreife Banane, Rhabarber, Asa Foetida, Aloe Vera, Hülsenfrüchte, Kohlsorten, schwarzer Tee (verstopfend), Himbeerblätter und Brennnessel.
Wirkung: erhöht Vata

Ayurveda nutzt dieses Wissen, um ein Gleichgewicht der Energien herzustellen.

Man sollte alle sechs Geschmacksrichtungen täglich zu sich nehmen, um Körper und Seele zu harmonisieren. So kann jeder mit seinem ganz eigenen Wesen glücklich und gesund werden.

« zurück nach oben